Qualmwasser und Sickerwasser
Ein Beitrag von Hubertus Nagel (Deichvogt i. R.)

Querschnitt durch einen Deich
Sickerwasser (Kuverwasser): Verringerung durch Dichtung des Deiches
Qualmwasser: Besserung der Untergrundabdichtung (erhebl. techn. Aufwand)
                   Minderung durch Einstau in Poldern (Gegendruck)

Das Sickerwasser (oder auch Kuverwasser genannt) durchdringt bei anhaltendem Hochwasser den Deichkörper und tritt, wenn die Binnendeichberme* nicht höher angelegt ist, an der landseitigen Böschung des Deiches aus.

Anders verhält es sich mit dem in der Fachsprache bezeichneten Qualmwasser:
Wie in den meisten Flusstälern, so besteht auch in der Elbeniederung unter der Oberfläche eine bindige Deckschicht, der sogenannte Auelehm. Darunter stehen stärker durchlässige Sedimente aus Sand und Kies an.

Die Deckschicht (Auelehm) wird vom Flussprofil "Elbe" und von "Elbe-Altarmen" durchschnitten, dadurch kommt es zu einer Verbindung zwischen Fluss- und Deichhinterland mit hydraulischer Wirkung. Da hier im Deichhinterland die Auelehmschicht zum Teil nur noch von geringer Stärke ist bzw. von vielen Fehlstellen (z.B. Bracks infolge früherer Deichbrüche) durchbrochen wird, kommt es zum Austritt von Qualmwasser. Eine Schwächung der landseitigen Deckschicht ist an den derzeit bestehenden Deichen häufig auch zu beobachten, wo beim Deichbau in alter Zeit in Unkenntnis der negativen Auswirkungen deichnahe Dichtungsmaterialien (d.h. flächige Abtragung der bindigen Deckschicht) für den Deichbau verwendet wurden. Das Qualmwasser kann so unmittelbar binnendeichs, aber insbesondere bei länger anhaltenden Hochwässern auch in weiterer Entfernung vom Deich im Binnenland zutage treten und zu starken Vernässungen bis hin zu Überschwemmungen führen.

So bleibt bei der Berechnung des Qualmwassers zu berücksichtigen, dass schon bei anhaltenden mittleren Wasserständen der Elbe der Grundwasserstand unter der bindigen Deckschicht verläuft. Hierbei liegt bereits ein teilgesättigtes System vor. Bevor der Wasserstand im Deichhinterland also steigen kann, muss sich der ungesättigte Bereich erst auffüllen. Dieses erklärt auch, dass vielerorts das Qualmwasser erst sichtbar wird, wenn der Wasserstand der Elbe bereits wieder fällt. Bei Hochwasser kann sich in dem vorbeschriebenen durchlässigen Untergrund eine Druckhöhe des Wassers einstellen, die über die Geländeoberfläche reicht (artesischer Druck).
 

*Kuverwasser
ist durch einen Deich oder Damm sickerndes (drängendes) Wasser infolge langandauernder hoher Außenwasserstände. Drängewasser kann den Deichboden so durchnässen, dass die Böschung an den Austrittstellen zu fließen beginnt. Eine solche für den Deich sehr gefährliche Erscheinung tritt auf, wenn der Deichkörper aus schlechtem, d. h. stark durchlässigem Boden besteht, wenn er von Baumwurzeln durchwachsen oder von Wühltieren (Mäusen, Ratten, Kaninchen, Bisam u. a.) mit Wühlgängen durchzogen ist.

**Berme:
ist ein schwach geneigter, meist mehrere Meter breiter, erhöhter Randstreifen am Fuße der Deichböschung. Die an der Wasserseite eines Deiches angeordnete Berme heißt Außenberme, die landseitige Binnenberme. Die Bermen haben den Zweck, das Deichfundament zu verbreitern und damit die Standfestigkeit des Deichkörpers zu erhöhen.

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